PM: Ohne Hilfsbereitschaft und Vertrauen kommt der Rollstuhlfahrer in München nicht voran

Ohne Hilfsbereitschaft und Vertrauen kommt der Rollstuhlfahrer in München nicht voran

Kommunalpolitikerin Dagmar Föst-Reich wagt den Selbsttest

Die Landeshauptstadt hat in Sachen Barrierefreiheit noch einige Hausaufgaben zu erledigen, um Rollstuhlfahrern in München ein selbstorganisiertes Leben zu ermöglichen. Dagmar Föst-Reich, Sprecherin der FDP-Fraktion im Bezirksausschuss Schwabing-Freimann, hat sich für einen Tag einen Rollstuhl geliehen, um mit einem Münchner Rollstuhlfahrer Schwabing auf Barrieren zu untersuchen.

„Das Überwinden von Bordsteinkanten habe ich mir schlimmer vorgestellt, das gelang mir ganz gut. Beim Ein- und Aussteigen aus der U-Bahn hatte ich dann doch einen Moment Bammel – der hilfsbereite Fahrgast hat seine Sache gut gemacht, aber nach hinten zu kippen, um die breite Lücke zwischen U-Bahn und Bahnsteig zu überwinden, erfordert schon viel Vertrauen in den wildfremden Menschen. Gescheitert bin ich vor dem Wertstoffcontainer: Es wäre mir sehr unangenehm, wenn ich andere Leute um die Entsorgung meines Mülls bitten müsste – für Rollstuhlfahrer ist das in München ganz normal, weil die Müllcontainer nur für hochgewachsene Fuß-Gänger erreichbar sind. Das hatte ich mir bis dahin gar nicht bewusst gemacht.“ In der Dezembersitzung hat sie deshalb gleich einen Antrag auf Niederflur-Wertstoffcontainer gestellt. Die Stadtteilpolitiker stimmten ihrem Antrag zu – jetzt wird das Anliegen an die Stadtverwaltung weitergegeben.

Föst-Reich hat auch Positives zu berichten: „Als Schwabingerin bin ich sehr stolz, dass es an der Münchner Freiheit im Sperrengeschoss eine Rampe gibt, die von den Münchner Rollstuhlfahrern als eine der besten Rampen Münchens bezeichnet wird. Das konnte ich auch im Selbsttest feststellen.“

Der Rollstuhlfahrer Hendrik Heinig, der die Tour geleitet hat, ist sehr zufrieden. In Frau Föst-Reich hat er eine Kommunalpolitikerin gefunden, bei der er nicht mit Mitleid rechnen muss, sondern mit vielen interessierten Fragen: „Wenn sie eine Barriere als solche erkannt hat, setzt sie sich mit Hartnäckigkeit für uns ein. Dass sie jetzt sogar selbst eine Tour im Rollstuhl mitfährt, finde ich super!“

Föst-Reich empfiehlt den Perspektivwechsel auch anderen, um ein Verständnis dafür zu bekommen, vor welchen Herausforderungen ein Rollstuhlfahrer in München tagtäglich steht. Sie ist zwar als junge Mutter selbst häufig mit dem Kinderwagen unterwegs und hat schon einige Erfahrungen in Sachen Barrierefreiheit gemacht, aber im Sitzen die Welt zu erkunden ist doch noch was anderes.

Wenn Sie selbst mal Ihr Stadtviertel im Rollstuhl testen möchten, können Sie sich an den USC Rollstuhlsport Verein (http://usc-rollstuhlsport.de/) wenden. Der Verein bietet auf Anfrage Rollstuhltrainings für jeden in der gewünschten Umgebung an und macht jeden Donnerstag von 18:00 Uhr-20:00 Uhr ein Rollstuhltraining für Senioren im Anton-Fingerle-Zentrum in Giesing.


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